EU Kommission verpflichtet geförderte WissenschaftlerInnen zu Open Access

Die EU geht einen sehr wichtigen Schritt in Richtung Open Science und verpflichtet WissenschafterInnen, ihre Forschung unter dem Förderrahmenprogramm Horizon2020 nach Open Access Kriterien zugänglich zu machen.

Neelie Kroes, Vize-Präsidentin der Europäischen Kommission und zuständig für die Digitale Agenda, verkündete auf ihrem Blog, dass das nächste EU Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020 (Fördervolumen 80 Mrd. €) ein erster Schritt hin zu Open Science sein wird.
Durch die in der Pressemitteilung präsentierten Massnahmen, werden die BezieherInnen ab 2014 dazu verpflichtet, die Ergebnisse frei zugänglich im Internet zu veröffentlichen, was Teil der European Research Area Strategie ist.

“articles will either immediately be made accessible online by the publisher (‘Gold’ open access) – up-front publication costs can be eligible for reimbursement by the European Commission; or researchers will make their articles available through an open access repository no later than six months (12 months for articles in the fields of social sciences and humanities) after publication (‘Green’ open access)”.

Zusätzlich wird an der Entwicklung der notwendigen IT-Infrastruktur mitgearbeitet sowie den WissenschaftlerInnen das Veröffentlichen der Forschungs-Daten selber unter einer freien Lizenz (Open Data) nahegelegt.

Auch die Mitgliedstaaten sollen sich diesem Weg anschliessen, da der Großteil der Ausgaben für Forschung und Wissenschaft von den Mitgliedsstaaten selber aufgewendet wird.

Noch offene Punkte

Eine wirklich erfreuliche Entwicklung, welche an die Aktionen der britischen und dänischen Regierung anknüpft.

Dennoch bleiben nach der Pressemitteilung ein paar Punkte offen:

Es gibt keine Information dazu, ob die Publikationen unter einer freien Lizenz veröffentlicht werden müssen – und wenn ja unter welcher. Wünschenswert wäre dafür die Creative Commons by Lizenz, durch die auch das Wiederverwenden des Werkes ermöglicht wird.

Von Horizon2020 nicht betroffen sind Großprojekte wie ITER (Kernfusion), GMES (Globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung) oder die Galileo-Satellitennavigation, welche nicht unter das Forschungsrahmenprogramm hineinfallen (Quelle: Wikipedia). Gerade diese Projekte wären von besonderem Interesse für die wissenschaftliche Community und der Öffentlichkeit.

Die nächsten Schritte

Es darf gespannt auf die Reaktion der einzelnen Mitgliedsstaaten geblickt werden – und ins besondere jener Österreich’s. Open Access ist hier noch kaum ein Thema und wurde von Politik und Universitäten bisher großteils ignoriert.

Damit Open Science mitsamt Open Access eine wirkliche Alternative zum bestehenden Veröffentlichungs-Modell wird, sind noch folgende Punkte anzugehen:

  • Neue Geschäftsmodelle für Verleger zum Finanzieren des Peer Reviews und anderer Kosten: Open Peer Review könnte hier eine Lösung bieten
  • Veröffentlichen von den Forschungs-Daten (Open Data): diese sind für die Reproduktion und Verifikation der Arbeit wichtig
  • Entwickeln von neuen Metriken für die Wichtigkeit einer Publikation die den Impact Factor ablösen: hier wird im Bereich der Altmetrics schon geforscht

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