Der Mensch als kleinste Entität

Ich greife in diesem Text die Diskussion aus der letzten Vorlesung vom 18. April 2013 auf, in der es um die politische Wirkkraft des Individuums gegenüber dem Kollektiv ging. Meine Position ist, dass auch jede noch so kleine Einheit, wie zum Beispiel ein Mensch, eine Wirkkraft hat, sich diese aber in einigen wesentlichen Zügen gegenüber jenen von Kollektiven unterscheidet. Die Grundlagen für meine Überlegungen sind:

1. Netzwerktheorie

Die soziale Sphäre aus einer Netzwerkperspektive betrachtet entsteht dort, wo einzelne Akteure (Individuen) Informationen austauschen. Dem kann man sich als Mensch zwar versuchen zu entziehen, aber selbst der entlegenste Eremit kann heute auf der Erde nicht sicherstellen, dass er keine Informationen von anderen Menschen wahr nimmt, wenn auch nicht alle Kommunikation gleiche politische Relevanz hat. Somit ist in einem komplexen, dynamischen System, wie einem Kollektiv, der Mensch die kleinste Entität. Dadurch treten unterschiedlichste Wechselwirkungen zwischen verschiedensten Akteuren, wie Kollektiven und Individuen, in Kraft. Dabei soll nicht der Fehler gemacht werden, dass ein Individuum nicht mehr als eine Untermenge eines Kollektives darstellt. Menschen sind in mehreren Gruppen aktiv, überall mit unterschiedlichen Identitäten. Individuum und Kollektiv sind somit nicht trennbar wo die Verantwortung über die Proximität von Raum und Zeit im Sinne von Jonas hinaus geht.

2. Verantwortungsethik

Kant wendet sich beim ethischen Handeln explizit an das Individuum. Andere Sichtweisen auf das ethische Handeln in der Gesellschaft sehe ich aus mehren Gründen als problematisch an. Zu Beginn von politischer, sozialer oder anderer Wirkkraft steht immer ein Mensch mit einer Idee. Auch wenn in einer Organisation verankert, eine Idee entsteht und entfaltet sich beim Menschen. Klar, jede Gruppe bildet sich aus mehreren Menschen, welche aber eine ähnliche Idee haben und sich deswegen zusammenschließen. Eine Idee, aus kausaler Sichtweise das erste Phänomen, welche zum ethischen Handeln in irgend einer Weise notwendig ist, kann nie aus einer Gruppe – betrachtet als abstraktes Gebilde – entstehen, sondern immer nur von Menschen die miteinander interagieren. Menschen auf eine Organisation und deren Zweck zu reduzieren, hat mehrere Schwächen: 1) Unterdrückung der einzelnen Identität, 2) ein Verlust an Wissen, 3) Verselbstständigung des Zweckes und der Funktion einer Organisationen, die sich mehr und mehr zum Selbstzweck, zum Machterhalt hin bewegt. Ein Kollektiv hat aber auch einige Stärken mit speziellen Eigenschaften, denn eine Gruppe kann etwas „anderes“ sein als die bloße Summe der Individuen. Manche Eigenschaften sind neu (emergieren) oder werden verstärkt, manche gehen verloren oder werden abgeschwächt, was oftmals zu einer viel größeren Wirkkraft führt. Den Gegenschluss zu machen, dass dadurch das Individuum für sich alleine keine Macht inne hat, ist daher nicht begründbar, da Kollektiv und Individuum nicht trennbar sind und Extrem-Ereignisse wie Whistleblowing oder Terror-Attentate das Gegenteil darstellen.

Ich bin schon sehr gespannt auf die Position von Hans Jonas zu diesem für mich sehr kritischen Punkt für die Verantwortungsethik, aus einer politischen Sicht heraus. Dabei sollte auf keinen Fall vergessen werden, dass die Ideen aus einer anderen Zeit und einem anderen politischen Hintergrund kommen, als wir es heute im Jahre 2013 vorfinden.

Aufgabe

Eine Seite zu den Seiten 34-58 aus dem Buch „Das Prinzip Verantwortung“ von Hans Jonas verfassen. Themenwahl steht frei.

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