Risiko / Rhetorik / Rationalität

“The available evidence tends to show that many large, sophisticated technological systems are in fact highly compatible with centralized, hierarchical managerial control.” (Winner 1986, S. 9 ). Zu Beginn soll gezeigt werden, warum dies nicht den Kern der Frage ob Technologie inherent politisch ist trifft, um weiter zu versuchen dies etwas genauer auf zu greifen.

Das Problem liegt in der Betrachtung: Es geht nicht um Technologie, sondern um Entscheidungen und Verwaltung von Wissen, also um soziale und politische Prozesse und deren Strukturen. Komplexe Organisationsformen lassen sich ab einer gewissen Größe nicht mehr gut hierarchisch abwickeln, hier sind Kleingruppen mit vernetzten, fraktalen Strukturen oft besser und effizienter.

Der erste Punkt, der die Ursache für zentralistisch verwaltete Organisationen beschreiben soll, ist das Risiko. Wenn eine Technologie, eine Gruppierung oder sonst eine Struktur durch spontan auftretende Ereignisse in Gefahr gebracht werden kann, sind oft zentralistische und hierarchische Strukturen die Antwort. Bei einem Krieg, einem Nuklearunfall oder einer Wirtschaftskrise sind demokratische oder konsensuale, also sehr komplexe und langwierige Entscheidungsprozesse, zumeist nicht sinnvoll und können zu einer erheblichen Verschlechterung der Situation führen. Nichts desto trotz, sollten demokratische Strukturen und Prozesse dahinter stehen, aber in diesem Fall nicht direkt der Prozess selber sein.

Der zweite Punkt ist das Vorschieben eines Argumentes, um die Machtstrukturen dahinter zu verbergen. “Attempts to justify strong authority on the basis of supposedly necessary conditions of technical practice have an ancient history” (Winner 1986, S. 6). Ablenken des Diskurses und Verschleiern der Ursächlichkeiten sind ein nicht selten zu beobachtender Wesenszug von Politik und der Kunst der Rhetorik, die Dekonstruktion davon dementgegen natürlich auch.

Als dritten Punkt führt Winner die Rationalisierung und Entmoralisierung des Diskurses an. “It is characteristic of societies based on large, complex technological systems, however, that moral reasons other than those of practical neccessity appear increasingly obsolete, ‘idealistic,’ and irrelevant” (Winner 1986, S. 9). Auf die Probleme mit dem Rationalitäts-Diskurses wurde bereits in dem Text zu Die Befriedung der Ambivalenz zu “Technik und Wissenschaft als Ideologie” von Jürgen Habermas etwas eingangen. Leider scheinen oftmals Argumente ausserhalb einer Effizienz- und Rationlitätslogik nicht mehr gültig zu sein, das Wesen menschlichen Handelns beschränkt auf die eindimensionale Ebene des Zwecks und dem Erreichen dessen.

Literaturverzeichnis

Winner, Langdon: Do artifacts have politics?, 1986. Chicago, University of Chicago Press.

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